Kirche vor 1945, aus historischer Postkarte

Das historische märkische Dorf Golm, 1289 erstmals urkundlich erwähnt, liegt am westlichen Rand der Landeshauptstadt Potsdam. Seit Oktober 2003 gehört das Dorf, ehemals ein Teil des Landkreises Potsdam-Mittelmark, zur Stadt Potsdam, westlich des Schlosses Sanssouci. Das Dorf und seine Kirche waren von jeher ein wichtiger Bestandteil des preussischen Schlösser- und Gärtenensembles Lennés, eingebettet in eine karge Kulturlandschaft besonderen Charmes. Zu Füßen des markant in der märkischen Landschaft liegenden Reiherberges, wenige Meter südwestlich der alten Dorfkirche, steht die malerisch gruppierte, in rotem Backstein mit grünglasierten Formziegeln Ende des 19. Jahrhunderts errichtete neue Kirche. Nach ihrem Förderer, Kronprinz Friedrich Wilhelm, dem späteren Kaiser Friedrich III ist sie Kaiser-Friedrich-Kirche benannt.
Es handelt sich um einen neugotischen Kirchenbau, der Schlichtheit und Erhabenheit harmonisch verbindet. Die Grösse der Kirche überrascht den Besucher des ehemals kleinen Dorfes. Nahe dem Chor erhebt sich auf der Nordseite in ungewöhnlicher Lage ein quadratischer Turm mit längsgerichtetem Satteldach. Ein spitzer Dachreiter überragte das Satteldach weithin sichtbar, musste aber aufgrund von Kriegsschäden 1971 abgetragen werden. Dem aus fünf Seiten eines Achtecks gebildeten eingezogenen Chor sind Anbauten angegliedert, die im Süden die Sakristei und im Norden die Hofloge enthalten. Das Kirchenschiff ist von einem steilen Satteldach mit Blendgiebeln überdeckt, das Chordach dagegen abgewalmt. Der Haupteingang liegt in einer westlich angefügten Vorhalle.
Die alte Dorfkirche steht in schmuckloser Gestalt auf dem benachbarten Friedhof und dient als Begräbniskapelle weiter. Unter dem unscheinbaren Äusseren aber, findet sich eine der ältesten Kirchen der Mark.
Beide Kirchen weisen schwere Schäden aller Art auf. Der im Jahre 2002 gegründete Kirchbauverein hat sich zum Ziel gesetzt, dieses einmalige Ensemble zweier Kirchen zu erhalten und wieder denkmalgerecht herzurichten.

Mehr Informationen

Mehr Informationen finden Sie in dem Buch “Die Kaiser-Friedrich-Kirche zu Golm. 120 Jahre Grundsteinlegung (1883 - 2003)” von Henning Heese, dass Sie über eine Buchhandlung oder den Kirchbauverein erhalten können.

Die Geschichte der Kaiser-Friedrich-Kirche zu Golm

  Bereits vor über 700 Jahren wurde das Dorf Golm zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Auch damals schon im Zusammenhang mit der Golmer Kirche, denn in einer Urkunde vom 11. April 1289 wird erwähnt, dass die Einkünfte der Kirche Bornim und seiner Nebenkirchen, Golm und Grube, dem Nonnenkloster in Spandau übertragen worden sind. Wann und in welcher Form die erste Kirche errichtet wurde, ist nicht überliefert
1718: Die alte Dorfkirche, ein rechteckiger Feldsteinbau mit polygonalem Ostschluss, wird durch den Bau eines gedrungenen und quadratischen Westturm ergänzt.
1779: Aus- und Umbau der Golmer Kirche für 683 Taler.
1824: und auch später: Die Kirchenbücher berichten von einem schlechten baulichen Zustand der alten Kirche
1870: Das Dach der Kirche wird vom Dachdecker Hartleben zu Werder für 3 Taler und 17 Silbergroschen repariert.
um 1878: Der Anstoß zum Bau einer neuen Kirche soll einer unverbürgten, aber amüsanten Anekdote nach auf folgendes Ereignis zurückgehen:
  Während einer Hochzeit setzte ein starker Regenguss ein. Das baufällige Dach hielt dem herabströmenden Wasser nicht stand. Nur durch Aufspannen eines Schirms konnte der Pfarrer den Bund des Lebens besiegeln und die Zeremonie zu Ende führen.
Dieses Vorkommnis soll dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm, dem späteren 99 Tage Kaiser Friedrich III., zu Ohren gekommen sein. Das Kronprinzenpaar beschloss, als bleibende Erinnerung seiner silbernen Hochzeit vom 25.1.1883, die dem Verfall entgegengehende Kirche durch eine Neue zu ersetzen.
Verbürgt ist allerdings, dass der Kronprinz im Jahre 1882 mehrfach die „alte“ Kirche inspizierte und den Neubau beschloss. Er und seine Gemahlin wirkten auch direkt auf den Bauplan ein und veränderten den ursprünglichen Entwurf des Königlichen Kreisbauinspektors Gette. Außerdem verhinderten sie den Abriß der alten, baufälligen Kirche.
28.01.1883: Die Genehmigung des Kirchenbaus und die Bereitstellung der Mittel von 39.000 Mark erfolgte durch den Vater des Kronprinzen, Kaiser und König Wilhelm I.
09.09.1883: Feierliche Grundsteinlegung der neugotische Backsteinkirche
1886: Einweihung mit Festgottesdienst in Anwesenheit des Kronprinzenpaars als Bauherrn, und der Nachkommen der ehemals in Golm nacheinander ansässigen Rittergutsbesitzer v.d. Groeben, v. Thümen, v. Schlabrendorf, v. Schönow, und vieler prominenter Persönlichkeiten.
In den folgenden Jahren: Die Kirche entwickelt sich zu einem Anziehungspunkt für Ausflüge des Kaiserhauses, aber auch für den „kleinen“ Bürger. Durch ihren 40 m hohen Turm strahlte sie weit über das Dorf Golm in die damals weitgehend baumlose märkische Feldflur und prägt die Landschaft der Insel Potsdam. Häufig wird die Golmer Kirche als eine der schönsten Dorfkirchen der Mark gepriesen.
1945: In den letzten Kriegstagen wird die Kirche unter starken Beschuss genommen. Es entstehen Schäden, vor allem am Turm der Kirche.
ab 1945: Die Gemeinde reduziert sich auf eine kleine Kerngemeinde, die zäh am Gemeindeleben und an der Sicherung und Erhaltung der Kirche festhält. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Kirche mit seinem Umfeld in diesem vergleichbar guten Zustand ist.
1971: Der Turmreiter fällt spät den Kriegsschäden zum Opfer. Trotz aller Bemühungen muss dem Turm die Spitze abgenommen werden. Der Turm streckt sich nun nicht mehr 40 m über Dorf und Feldflur, sondern nur noch 26 m.
1990: Mit dem Zuzug vieler Menschen aufgrund der Institutsneubauten wächst die kirchliche Gemeinde.
15.03.2002: Gründung des Kirchbauvereins der Kaiser-Friedrich-Kirche zu Golm e.V.