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Die Turmuhr, sie schlägt wieder!

‚Dem Glücklichen schlägt keine Stunde’, weiß der Volksmund zu berichten. Für Golm gilt allerdings nun, dass den Glücklichen nun endlich wieder die Stunde, genau genommen auch die halbe, schlägt.

Die im Jahre 2005 begonnene Renovierung des oberen Turmbereiches der Kaiser-Friedrich-Kirche zu Golm ist nun mit der Reparatur des Uhrwerkes abgeschlossen. Nach Sanierung der Glockenstube, Aufsetzen des Dachreiters und Anfertigung und Einpassen neuer Ziffernblätter bereits im Jahre 2006 konnte nun das alte historische Uhrwerk repariert werden. Wir haben uns dazu entschieden, das ursprüngliche, über 120 Jahre alte Uhrwerk - ein Wochenwerk, das alle drei Ziffernblätter im Winkelbetrieb antreibt - reparieren zu lassen und nicht durch ein modernes Werk zu ersetzen.

In liebevoller Handarbeit haben Jürgen Kaminski, Potsdam und Hans-Christian Angerer und Uhrmachermeister Wilfried Blume, beide Wernigerode, die Uhr ausgebaut, von drei Schichten alter Farbanstriche befreit, gereinigt, gerichtet und neue Teile angefertigt, wo dies notwendig wurde. Das Schlagwerk wurde gerichtet und dann Uhrwerk und Zeiger miteinander verbunden. Nun erscheint das Uhrwerk wieder in der ursprünglichen Anthrazitfarbe mit Goldrand und summt, schnurrt und tickt einwandfrei vor sich hin. Bei mir zu Hause sagte man, sie läuft wie’n Döppken. Unter den Farbschichten kam auch ein Messingschild des Herstellers zum Vorschein, die Firma Gebrüder Meister, Großuhrenfabrik, Berlin-Niederschönhausen und die eingeprägte Nummer 5175.

Dieses Ereignis und die, die dazu beigetragen hatten, wurden am Pfingstsonntag, dem 27. Mai 2007, im Rahmen des von Pfarrerin Anke Spinola gehaltenen Gottesdienstes zum Thema „Unsere Zeit in Gottes Händen“ feierlich gewürdigt. Um Schlag 10 Uhr wurde die Uhr in Gang gesetzt und im mucksmäuschenstillen Kirchenschiff lauschten alle auf den Klang der ersten Schläge nach langer Zeit. Im Anschluss daran lud der Kirchbauverein zu einem kleinen Stehempfang, natürlich zünftig mit Kirchensekt, aber auch Kaffee und Kuchen in der proppenvollen Winterkirche. Am Nachmittag dann war das Kirchencafé geöffnet und viele weitere Gäste nahmen die Gelegenheit war, den nun wieder mit einer laufenden Kirchturmuhr versehenen Kirchturm zu besichtigen. Ganz besonders hervorzuheben ist, dass an diesem Tag fünf neue Mitglieder dem Kirchbauverein beitraten, um aktiv die zukünftigen Bau- und Renovierungsarbeiten zu unterstützen.

Dieser Erfolg wurde durch viele Spenden in Höhe von insgesamt 9089,25 Euro ermöglicht. Ihre Spenden – herzlichen Dank! Die Reparatur der Uhr kostete insgesamt 10.894,83 Euro, davon entfielen auf die Ziffernblätter 5182,83 Euro und die Reparatur des Uhrwerkes schlug mit 5712 Euro zu Buche. Die Differenz brachte der Kirchbauverein auf.

Kirchennachbar Siegfried Mohr kam dann übrigens gleich ohne Armbanduhr ins Kirchencafé. „Eine Uhr brauche ich nun nicht mehr und die weiße Stelle am Handgelenk kann nun endlich auch wieder braun werden!“, meinte er.

Dr. Höfgen mit Herrn Blume und Herrn Kamainski Empfang nach dem Gottesdienst anlässlich der Uhreinweihung: viele Freunde und Vereinsmitglieder teilten die Freude Dieter Dahlke, Torsten Wiedemann, Dr. Rainer Höfgen / der Vorstand des Kirchbauvereins


Reparatur der Golmer Kirchturmuhr 2007

Die Golmer Kirchturmuhr st über hundert Jahre alt. Es handelt sich um ein mechanisches Wochenwerk mit Dreizifferwerk im Winkelbetrieb, so dass Zeiger an der Ost-, West- und Nordseite des Turms vom Uhrwerk getrieben werden. In den 1980-er Jahren erfolgte eine erste große Durchsicht des Werkes, weil am Turm das gesamte mechanische Gefüge durch die kriegsbedingten Schäden verzogen war. Der Handwerksmeister Jürgen Kaminski hat seitdem die Uhr immer wieder gewartet, wenn Ulf Mohr beim Aufziehen merkte, dass etwas nicht stimmte. Nachdem der Turm saniert wurde, lohnte es sich, das Uhrwerk grundlegend zu sanieren. Am 14. April 2007 wurde es durch Herrn Blume und Herrn Kamainski wieder eingebaut.
Fotos: Hans-Christian Anger aus Wernigerode

Abtransport nach dem Ausbau Der ehemalige Zustand  
Kaminski (li) und Blume (re) bei der Arbeit Die restaurierte Uhr Einbau durch Blume und Kaminski

Allgemeines zur Uhr

Schlägt sie,
schlägt sie nicht,
wann schlägt sie wieder……

Sagt man einem Kind, doch einmal ein Dorf zu malen, so werden sich gemütliche Häuser um die Kirche scharen, die mit ihrem Turm die Häuser überragt. Und schaut man genau hin, so wird kein Kind jemals vergessen die Kirchturmuhr zu malen. Seit altersher schlägt die Kirchturmuhr den Rhythmus des Lebens im Dorf und Kirchturm und Uhr sind gleichsam ein Synonym für dörfliche Idylle. Gut kann ich mich noch erinnern, dass mir als Kind nicht die Armbanduhr oder das Handy die Zeit verkündete, wann man vom Spielen zum Abendessen zurück zu sein hatte, sondern dass man auf den Schlag der Kirchturmglocken achtete.

Unser Kirchturm wird nun bald wieder hergerichtet sein, wenn er auch im Augenblick noch versteckt ist unter Planen, bis das Wetter den Weiterbau erlaubt.

Aber leider wird die Uhr nicht gleich wieder schlagen und die Zeit anzeigen, wenn die Baumaßnahmen beendet sind. Man könnte es mit Marie von Ebner-Eschenbach halten: „Eine stillstehende Uhr hat doch täglich zweimal richtig gezeigt und darf nach Jahren auf eine lange Reihe von Erfolgen zurückblicken.“ Die Uhr muss dringend repariert werden. Das alte mechanische Uhrwerk soll dabei keinesfalls durch ein modernes, elektrisches Werk ersetzt werden, sondern gereinigt, wieder hergerichtet und gangbar gemacht werden. Auch die Ziffernblätter, irgendwann nach dem Krieg gegen provisorische ausgetauscht, sollen wieder nach alten Vorlagen gestaltet und in die Mauernischen eingefügt werden. Ist das geschehen, wird auch wieder die Golmer Kirchturmuhr die Zeit anzeigen.

Und dann noch: Warum laufen Uhren im Uhrzeigersinn? Dass "normale" Uhren im Uhrzeigersinn gehen, also rechts herum, hat eine natürliche Ursache. Früher wurde die Zeit mit der Sonnenuhr gemessen. In der nördlichen Hemisphäre liefen die Schatten der Sonnenuhr in die Richtung des heutigen Uhrzeigersinns. Da die Uhr hier erfunden wurde, läuft sie auch rechts herum, nach alter Sonnenuhr-Tradition.