Alte Dorfkirche

Ziele der Instandsetzung – fast geschafft!
Seit mindestens 1289 trotzt unsere Alte Dorfkirche in Golm allen Widrigkeiten. Immer wieder wurde sie umgebaut, erweitert und saniert, bis sie 1886 aufgrund ihres schon damals schlechten Zustandes aufgegeben und die Neue Kirche gebaut wurde. Seitdem ist sie die »Alte« Dorfkirche Golm. Noch einmal verursachte der Zweite Weltkrieg erhebliche Schäden. Und so stand sie zernarbt, morsch und notdürftig ausgebessert seit Jahrhunderten in Golm und wurde eigentlich nur durch Luft und vielleicht durch die schützende Hand Gottes zusammengehalten.
Das konnte so nicht bleiben. Der Kirchbauverein Golm und die Kirchengemeinde planten seit vielen Jahren die Sanierung. Das Kirchlein sollte dabei in den baulichen Zustand vor dem zweiten Weltkrieg versetzt werden. Nun ist es im September 2025 gelungen, die denkmalgerechte Sanierung tatsächlich fertigzustellen. Doch noch sind wir nicht fertig, denn die Alte Dorfkirche soll wieder umfänglich genutzt werden.
Weitere Ziele und Maßnahmen
Die denkmalgerechte Sanierung der Alten Dorfkirche Golm fand nicht um ihrer selbst willen statt. Das Gebäude soll in Zukunft als Begegnungshaus einer breiten Öffentlichkeit und nicht nur kirchlichen Zwecken zur Verfügung stehen. Dafür bedarf es weiterer Baumaßnahmen. Da es sich hierbei nicht mehr um eine denkmalgerechte Sanierung des Bestandes handelt, sondern um zusätzliche Einbauten, stehen hierfür keine Fördermittel zur Verfügung. Wir veranschlagen die Kosten auf etwa 200.000 Euro, die hierfür aufzubringen sind. Einiges an Vorarbeiten wie Planungen ist bereits geleistet worden. Wasser- und Abwasseranschlüsse sowie elektrische Anschlüsse wurden bis an das Gebäude verlegt.
Was ist jetzt zu tun?
Höchste Priorität hat der Bodenaufbau mit Fußbodenheizung und Wärmepumpe im Turm, damit das Gebäude einerseits ganzjährig nutzbar wird und andererseits der Feuchtigkeit und deren Folgen wie Schimmelbildung entgegengewirkt werden kann. Das Gelände um die Kirche herum, dass immer noch Anmutungen einer Baustelle hat, muss hergerichtet werden und die Zuwegung muss geschaffen werden und dies in Abstimmung mit einem Konzept für die Friedhofsgestaltung. Elektrik und Beleuchtung müssen im Gebäude verlegt und Präsentationstechnik für Vortragsveranstaltungen eingebaut werden. Im Turmbereich soll eine kleine Teeküche und eine behindertenfreundliche Toilette eingebaut werden sowie dezente Lagerschränke im Kirchenschiff.
Was wurde bisher erreicht?
2025

Die denkmalgerechte Sanierung ist abgeschlossen!
Am 14. September 2025 wurde die denkmalgerechte Sanierung der Alten Dorfkirche Golm erfolgreich abgeschlossen und das Gebäude feierlich der Kirchengemeinde übergeben und wieder eingeweiht. Zahllose Menschen haben mitgewirkt, um dieses Vorhaben zu ermöglichen. Fördermittel in erheblichem Umfang von verschiedenen Fördermittelgebern und Eigenmittel der Kirchengemeinde, des Kirchenkreises und des Kirchbauvereins haben einen lang gehegten Traum wahr werden lassen. Auch viele Stunden an Eigenleistungen sind für die Sanierung des Bauwerkes von vielen Unterstützern geleistet worden.
Unter Beachtung der Vorgaben des Denkmalschutzes wurde das Fundament freigelegt, fachgerecht ausgemauert und verstärkt und gegen Nässe versiegelt. Das komplett verwitterte, teilweise eingemauerten Fachwerk des Turmes wurden ausgebaut und die Hohlräume kraftschlüssig ausgemauert. Das innere Fachwerk, welches die beiden Geschossdecken im Turm trägt wurde dafür ausgebaut und musste zum großen Teil erneuert werden. Auch die morschen Schallluken wurden ausgetauscht. Ein Glockenstuhl ist nicht vorhanden, da die historische Glocke verloren ist.
Im Saalbereich mussten auf Grund des Befalls mit gemeinem Hausschwamm Teile der Mauerkronen und der Deckenbalken ausgebaut und erneuert werden. Die Schinkeldecke in Illusionsmalerei im Kirchenschiff wurde komplett wiederhergestellt unter Erhalt noch vorhandener historischer Deckenbretter und neuer Bretter für Fehlstellen.
Nach dem Entfernen der Dachziegel konnte die gesamte Holzkonstruktion saniert werden. Etwa zweidrittel der Hölzer, die nach dem Krieg nur provisorische eingebaut waren oder zu stark verwittert waren, wurden erneuert und danach das Dach mit neuen Ziegeln im historischen Format eingedeckt. Die vormals unpassende fünfeckige Dachgestaltung über der runden Apsis wurde durch zusätzliche Sparren an die alte runde Form angepasst.
Die Ziegelwände wurden innen verfugt und Fehlstellen ausgebessert. Dabei wurden historische Innenputzflächen beibehalten. Die aufgrund der Zerstörungen im zweiten Weltkrieg zugemauerten Fenster und der ursprüngliche Haupteingang auf der Nordseite wurden wieder geöffnet, Türen und Fenster wurden nach historischem Vorbild aber mit moderner Verglasung eingepasst. Die Wände wurden mit Schlämmputz einheitlich farbig gestaltet, um das doch sehr unruhige und schadhafte Fugenbild zu beruhigen. Im Bereich der Apsis, dem ältesten Teil der Kirche aus dem 15. Jahrhundert, wurde bewusst das rohe Mauerwerk belassen, um diese originale mittelalterliche Maurerarbeit unmittelbar erlebbar zu machen. Die Außenwände der Kirche wurden verputzt und farblich gestaltet. Zu guter Letzt wurde eine neue Wetterfahne auf den Turm gesetzt, die die Zahl 1289 als das Jahr der Ersterwähnung des Kirchleins trägt.
Die erste Bauphase, die denkmalgerechte Sanierung der Gebäudehülle, ist damit erfolgreich abgeschlossen.
2024
- Beginn der Restaurierung der Alten Dorfkirche Golm
2022/2023
- Freilegung, Reparatur und Aufbringung einer Schutzschicht des Fundamentes
- Wiederverschließen des Grabens und Gestaltung der Zuwegung
2020-2022
- Einholung diverser Gutachten
- Verhandlungen mit Denkmalbehörden
- Antragstellungen an Fördermittelgeber
2018/2019
- Reparatur der Eingangstür im Turmbereich.
- Einbau einer Beleuchtung im Dachbereich.
- Einbau von provisorischen Zugbändern zur Sicherung der Dachbalken.
- Sanierung des Apsisdeckenbereiches , der Herunterzustürzen drohte: Einbau eines Arbeits- und Stützgerüstes in der Apsis, Entfernen der stark verrotteten Deckenschalung, Entfernen des stark verrotteten Deckenbalkens, Schuttbeseitigung an den Mauerwerksköpfe in der Apsis, Einbau von vier Deckenbalken zur Aufnahme der neuen Deckenschalung, Herstellen der Deckenschalung nach historischem Vorbild.
- Abbruch der inneren Mauerwerksschalen an den Fenstern in der Apsis.
- Entfernen der losen Putzflächen im Saal.
- Untersuchung der Fundamente an den unterschiedlichen Bauabschnitten.
- Ergänzung eines Regenfallrohres an der Nordostseite.
- Einbau der Weihnachtsbeleuchtung in der Alten Dorfkirche.
- Außen-Beleuchtung des Turmes der Alten Dorfkirche.
- Antrag auf Fördermittel für Sanierung der Alten Dorfkirche.
- Abdichtung der westlichen Schallluke im Turm.
- Entfernen der Dachziegel aus dem Turm zur Entlastung der Holzkonstruktion.
- Beseitigung des Schutts aus dem Turm.
- Aufmaß und Planung der Außenanlage zur Trockenlegung der Außenwände.
- Abstimmung mit dem Denkmalamt über die Außenanlagen.
- Abstimmung mit dem Denkmalamt über den Verbleib der alten Kirchenbänke.
2012/2013: Sanierung des Altaraufsatzes der Alten Dorfkirche: Der Altaraufsatz aus unserer Alten Kirche, der gemäß Aufschrift auf der Rückseite im Jahre 1718 von Friedrich Wilhelm I. gestiftet wurde, wurde durch die Restauratorenwerkstatt von Grit Jemlich und Oliver Max Wenske in der Potsdamer Dortustraße restauriert aus Mitteln der MBS Potsdam. An seinen angestammten Platz in der Alten Kirche konnte der Altar aufgrund der schlechten Bausubstanz nicht zurückkehren. Die Kirchgemeinde schloss mit dem Potsdam-Museum einen Leihgabe-Vertrag ab. So kann der Altar unter idealen Bedingungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Der Platz des Anfang der 90er Jahre gestohlenen Altargemäldes wurde bewusst freigehalten und steht so in klarem Widerspruch zur original wieder hergestellten Farbigkeit des Aufsatzes. Rot und Blau auf hellem Grund gerahmt von viel Gold. Die Säulen umrankt von Weinlaub warten aus Kostengründen noch auf fehlende Blätter. Diese können nach Auskunft der Restauratorin Grit Jemlich (sofern Geld für die Ver-goldungsarbeiten vorhanden ist), ohne großen Aufwand nachträglich befestigt werden (geschnitzt sind sie schon).
Vielleicht findet sich ja der eine oder andere Liebhaber und „erwirbt“ ein Blatt für den Altar. Die Kosten liegen bei ca. 220,00 €/Stück. Auch im Namen der Kirchgemeinde laden wir Sie ein, unseren Altar bei einem Rundgang im Potsdam-Museum zu besichtigen.
2005-2008 Archäometrie:
Von 2005 bis 2008 wurde auf Initiative der Familie Löhmannsröben einmal im Jahr die alte Dorfkirche durch Fachleute wissenschaftlich untersucht. Die Veranstaltung trug den Namen Archäometrie. Die Ergebnisse sind teilweise in Auszügen in der Ortsteilzeitung Golm veröffentlicht. Wir planen, die Ergebnisse hier und in einem Druckwerk der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
In der Folge der Wiederinbesitznahme der Brandenburg durch Albrecht den Bären am 11. Juni 1157 zogen deutsche Bauern auch an Havel und Spree. In Golm siedelten am westlichen Fuße des Reiherbergs oberhalb der Höchstwassermarke Slawen des Stammes der Heveller. Die deutschen Bauern siedelten nördlich davon und betrieben Landwirtschaft auf den Sandern und Endmoränenflächen oberhalb der Hochwasserlinien. Möglicherweise bauten diese Siedler bereits eine erste Kirche, vielleicht ein einfaches Fachwerkgebäude. Dazu gibt es allerdings keine schriftlichen Berichte oder archäologischen Funde. Die Ersterwähnung Golms und der Golmer Kirche fand 1289 statt. Bei Sanierungsarbeiten an den Fundamenten im Jahre 2022 wurde durch den begleitenden Archäologen unter einem Findlingsblock des Fundamentes des ältesten Teiles der Kirche eine Tonscherbe gefunden, die zweifelsfrei dem frühen 13. Jahrhundert zugeordnet werden konnte, also noch in der Zeit vor der schriftlichen Ersterwähnung. Allerdings kann man nicht wissen wie und wann sie dorthin gelangte und ob sie vielleicht Hinweis auf ein älteres Gebäude ist.